Rückblick: Ausgezeichneter Zweiter – und Erster wäre gut möglich gewesen

bfuchs 1. Juli 2014 Kommentare deaktiviert

Von Willi Jaus

 

Zielsetzung klar erreicht

Auch wenn für die Höfner noch mehr  – der Gruppensieg und damit der Aufstiegsplatz –  gut und diesmal eher leicht möglich gewesen wäre, so wurde mit dem zweiten Schlussrang die Zielsetzung (eine Platzierung in den ersten Drei) klar erreicht. Die Gruppe sechs war  die ausgeglichenste der Liga, mit minus  sieben  Punkten gegenüber dem Durchschnitt der anderen Gruppen (58) wurde man Erster, mit minus  sechs  Zweiter, mit minus einem Dritter, mit plus zwei resp. drei dann noch Vierter und Fünfter.

 

In dieser Gruppe, in der bis zuletzt eigentlich jeder jeden schlagen konnte, hätte sich eine abgezockte, stabile Truppe schon früher (deutlich) absetzen können. Seuzach tat dies erst zwei Runden vor Schluss und bezeichnenderweise mit dem nicht guten Gegentreffer-Durchschnitt von 1,5. Absolute Spitzenteams kassieren maximal ein Tor pro Begegnung (Durchschnitt der anderen Gruppen 0,91).

 

Positiv

 

Verbesserte Defensive

In der Saison 2012/2013 mussten noch 52 Gegentore entgegen genommen worden. Dies  – mit einem Durchschnitt von zwei Treffern pro Spiel  zu hoch -  wurde dann zurecht zum Anlass genommen, die Defensive verstärken und  stabilisieren zu wollen. Mit jetzt 39 Gegentreffern konnte diese Absicht erfolgreich  umgesetzt werden, ist aber für höhere Weihen noch immer zu hoch. Fände man sich in einer entsprechend separaten Tabelle mit den in der letzten Saison erhaltenen Toren an siebter Stelle, so würde man in der abgelaufenen Periode mit 39 Toren wie in der Schlussrangliste doch schon Zweiter.

 

Dass man in der zweiten Halbzeit praktisch gleich viel Tore wie in der ersten und nur noch einen Gegentreffer unmittelbar nach einem selbst erzielten Tor einstecken musste, zeugt auch von einer ausgezeichneten Konzentrationsfähigkeit.

 

Je sechs Punkte gegen vier Mannschaften

Beide Male voll erfolgreich, sowohl im Heim- wie im Auswärtsspiel, war das Team gegen Altstätten, Mels sowie die SV Schaffhausen und besonders erfreulich gegen die Spitzenmannschaft Linth 04.

 

Abwesende

Konnten wegen Sperren  – mit zwölf eher unterdurchschnittlich -  bis auf eine praktisch die gleiche Anzahl Spieler zwölf Mal nicht nominiert werden, so verbesserte sich die Zahl der Abwesenheiten um einen Drittel (hat möglicherweise auch mit einer positiven Prioritätenänderung zu Gunsten des Teams zu tun).

 

Negativ           

 

Mangelhafte Vorwärtsbewegung

Der Angriff bewies wiederholt keine Durchschlagskraft, war dann harmlos und, wenn noch Chancen heraus gespielt werden konnten, ohne Effizienz und Kaltblütigkeit, wenig produktiv. Hat man in der Saison 2012/2013 mit 61 Mouchen noch am viertmeisten getroffen und war der Angriff damit das Prunkstück des Teams, so gelangen jetzt nur noch  46 Treffer, in der Rückrunde gar nur noch 18 oder durchschnittlich 1,4 pro Spiel (nur gerade eine Mannschaft, der Zweitletzte und Absteiger Altstätten, traf weniger). Dies führte denn auch zu fünf Niederlagen, wobei dreimal kein Treffer und zweimal lediglich einer erzielt wurde. Ein gutes schlechtes Beispiel für diesen Mangel zeigte sich beim ultimativen Spitzenkampf in Seuzach: Bevor der nachmalige Sieger spät in Führung gehen und sich den entscheidenden Sieg sichern konnte, hatte der FCF drei absolute Grosschancen, die noch in der letzten Saison sicher genutzt worden wären und das Spiel sowie das Aufstiegsrennen in andere Bahnen hätte lenken können.

 

Entsprechend eher „günstig“ war diesmal die Krone des Torschützenkönigs zu haben. Mit je zehn        Treffern ging sie an  José Meier (wovon drei Penaltytore) und Mato Sego, gefolgt auf dem Stockerl von             Captain Philipp Ernst (fünf Treffer). In der letzten Saison brauchte es dafür bezeichnenderweise noch je praktisch das Doppelte.

 

Temporärer Einbruch in der Rückrunde

Das Team schien in einer Rückrunden-Zwischenphase mit fünf teilweise völlig unerwarteten Niederlagen zeitweise etwas platt und von der Rolle. Da war oder ist für die Ursachenforschung  (Änderungen in der Vorbereitungsphase? Wert des Trainingslagers?) die Teamleitung gefragt. Aufgefallen ist auch, dass Laufduelle zu oft verloren gehen (fehlende Schnelligkeit, ineffizienter              Laufstil). Als zusätzlicher Erfolgsfaktor könnte sich das Engagement eines (mindestens temporär tätigen) fähigen Konditions-/Lauftrainers auszahlen  -  dies sowieso, wenn man noch mehr Erfolg haben will. Bei taktisch und technisch gleichwertigen Mannschaften siegt meistens die schnellere.

 

Wurde die Vorrunde mit 27 Punkten noch auf dem dritten Rang abgeschlossen, reichten die 20 Zähler aus der Rückrunde gerade noch für die siebte Stelle.

 

Fehlende Kontinuität

Nur sieben Positionen  - davon bezeichnenderweise fünf im erfolgreicheren defensiven Bereich -  konnten vorwiegend mehrheitlich gleich besetzt werden. Der Grund dafür liegt zur Hauptsache bei den Ausfällen wegen Verletzungen. Aufgrund der Faustregel  – durchschnittlich maximal ein Viertel Verletze des aktiven Teams -  ergäbe bei 28 Spielen (26 Meisterschaft, zwei Cup) im schlechtesten Fall theoretisch 98 Abwesenheiten. Praktisch fehlten bei den FCF-Auftritten 103, also überdurchschnittlich viele. Die notwendige Analyse darüber (Hinterfragung der Gründe) obliegt der Trainingsleitung und der Physioabteilung.

 

Gegen vermeintliche Aussenseiter gescheitert

Mehr als andere Favoriten zogen die Höfner gegen schlechter klassierte Mannschaften den Kürzeren (Kopfsache?). So haben sie in der abgelaufenen Saison verloren und besonders fehlende Punkte eingebüsst gegen Amriswil und Gossau ZH auswärts und zu Hause, gegen Frauenfeld sowie Uster je auf dem Chrummen und St. Margrethen auswärts. Nur schon mit fünf  dieser 20 verlorenen Punkte wäre man Erster. Mehr als eine nachträgliche Spielerei ist diese Feststellung allerdings nicht , und zählen tun nicht „wäre und hätte“, das tun allein die real erzielten Resultate und die Tatsachen. Und ähnlich werden auch andere Teams argumentieren können.

 

 

Fazit

Gruppensieg und damit Aufstiegsplatz sind absolut möglich gewesen. Die rangmässige Steigerung gegenüber der Saison 2012/2013 ist vor allem auf die defensive Verbesserung zurück zu führen. Der klare Schwachpunkt, den es für allfällig höhere Ziele anzugehen und auszumerzen gilt, ist die quantitative und qualitative Steigerung der Vorwärtsbewegung, des Durchsetzungsvermögens sowie der Effizienz und Produktivität -  Torschützen, darunter am besten einen Knipser, braucht der FCF. In dieser Beziehung steht für die Saison 2014/2015 der weitaus grösste Bedarf an.

 

Enttäuschende Cup-Teilnahme

„Cup-Geschichte“ wurde diesmal keine geschrieben. Während das gruppengleiche Uster nach einem Unentschieden nach Verlängerung im Penaltyschiessen noch knapp bezwungen werden konnte, ging man beim zweiten Auftritt  – während der negativen Rückrunden-Phase -  gegen den ligaidentischen und Absteiger Willisau mit einem so nicht erwarteten 0:5 regelrecht ein und schied sang- und klanglos aus dem Wettbewerb aus. Der Vorteil dieser Niederlage lag einzig darin, dass man sich ab dann ausschliesslich auf die Meisterschaft konzentrieren konnte. Und den Luzernern hat man damit wenigstens einen seltenen Höhepunkt beschert.

 

Mutationen

Mit dem gesamten Staff (Trainer Jakob Turgut, Coach René Baumann, Torhütertrainer Gregor Baumann und Physio/Betreuer Reto Isler) wurde der Vertrag vorzeitig verlängert. Bis heute bekannt und definitiv, werden den FCF verlassen Brian Bickel (zu Red Star), Patrick Studer (zu Wädenswil) und das junge Talent Sämi Pfyl (leihweise zu Lachen/Altendorf). Neu dazu stossen wird Olivier Maurer vom FC Horgen.