Freienbach verliert die Nerven und dann das Spiel

admin 13. November 2016 Kommentare deaktiviert

Von Willi Jaus (Text) und Bruno Füchslin (Archivfoto)

Die Revanche für die kürzliche Meisterschafts-Niederlage (2:5) in Freienbach ist Chur 97 in einem Spiel mit zwei völlig verschiedenen Hälften dank dem Siegtreffer tief in der Nachspielzeit gelungen.

Trotz der spürbaren Hypothek im Angriff  - sowohl Philipp Ernst wie akut auch Raffaele Perna fehlten verletzungsbedingt, letzterer konnte wenigstens als Auswechselspieler nominiert werden -  waren die Höfner in der ersten Halbzeit mit einem Angriffsverhältnis von 15:5 klar überlegen. Nach zwei Halbchancen durch Sandro Caravà und Mirco Döttling, beide hatten gute Abschlussmöglichkeiten, war es der einheimische Sascha Meier, der den Ball vertändelte und dem Gast damit nun auch eine sogenannt Hundertprozentige offerierte. Caravà nahm dankend an, suchte und fand den Kopf von Klurdian Museshabanaj, der zum fälligen Führungstreffer einnickte. Das weiter offensiv drückende Freienbach erzwang in der Folge auch einen Foulpenalty, den Ivan Palumbo souverän versenkte. Und Alessio Stumpo hatte nur wenig später, allein gegen Torhüter Savioni los ziehend, die Grosschance, den dritten Treffer und wahrscheinlich mindestens auch die Vorentscheidung zu realisieren. Aber auch ohne diesen Treffer konnte, ja musste, man aufgrund der bisher abgeklärten Leistung der Höfner davon ausgehen, dass sie dieses Spiel kaum mehr aus der Hand geben werden.

Völlig neue Ausgangslage

Es war dann, als würden zur zweiten Hälfte zwei völlig andere Mannschaften auflaufen: In einem nun aggressiven Spiel nahm Chur 97 zusehends Fahrt auf, während Freienbach gegenüber der überzeugenden Leistung vor dem Tee stark abbaute. Man begann gehäuft zu reklamieren, agierte nervös und kassierte prompt den befürchteten Anschlusstreffer: Nachdem der starke Spielmacher Nsingui Lebien vorerst nur ins Seitennetz schoss, traf er nur wenig später mit seiner sehenswerten 30 Meter-Granate über Torhüter Miro Dabic hinweg gültig in dessen Maschen. Mit seiner in einer unübersichtlichen Situation und von der Churer Mannschaftsleitung erfolgreich geforderten (!) zweiten Gelben versetzte Palmiro Di Dio sein Team, das den Bündnern nach einem Konter auch den Ausgleichstreffer durch den zur zweiten Halbzeit eingewechselten Stefan Elmer zugestehen musste, zusätzlich in Unterzahl und in Bedrängnis. Und nachdem Goalie Dabic noch zweimal brillant gegen Lebien intervenierte und sein Team damit einmal mehr weiter im Spiel hielt, war er in der vierten Nachspielminute bei einem letzten Chur-Konter machtlos: Meier machte seinen Fehler, mit dem er die Freienbacher Führung ermöglichte, mit dem viel bejubelten Siegtreffer wett. 

Schwacher, inkompetenter Schiedsrichter

Eines hatte der Spielleiter mit den Höfnern gemeinsam: Nach einer guten ersten Halbzeit wurde er zusehends schwächer. Erst verwies er den als Ersatzspieler nominierten Raffaele Perna von der Bank (kommt einem Ausschluss gleich), ohne ihm, glücklich für ihn und den FCF, die Rote Karte zu zeigen. Dann agierte er, je länger das Spiel dauerte, desto parteiischer, war offensichtlich wiederholt den Bündnern zugeneigt. Und zu guter (besser: schlechter) Letzt soll er sich gemäss Trainer Urs Fritschi und Spielern zur Aussage verstiegen haben, „Ihr werdet dieses Spiel noch verlieren!“. Auch wenn die Partie zusehends umstrittener wurde, so sprechen zehn Verwarnungen, wovon vor allem allein fünf wegen Reklamieren, zusätzlich nicht für den Schiedsrichter.

Die Niederlage aber nur diesem anzulasten, würde zu kurz greifen. Auch wenn er oft Grund dazu gab, so schwächten sich die Höfner mit dem ständigen Reklamieren und mit vier Verwarnungen sowie einem Ausschluss damit einmal mehr. Da muss man dringend über die Bücher. 

Chur 97 – Freienbach 3:2 (0:2).
Ringstrasse. 150 Zuschauer. SR: Ivo Ravlija.
Tore: 19. Museshabanaj 0:1. 27. Palumbo 0:2 (Foulpenalty). 61. Lebien 1:2. 71. Elmer 2:2. 94. Meier 3:2.            

Chur 97: Savioni; Joos, Sivalingam, Plozza (46. Elmer), Dragic, Bearth, Meier, Lebien, Kavcic, Fahling, Luca (46. Tia).
Freienbach: Dabic; Bucher (77. Hoxhaj), Di Dio, Desole, Maurer; Döttling, Hren, Caravà, Palumbo; Museshabanaj (86. Pfyl), Stumpo.
Bemerkungen: Chur 97 ohne Kameri (krank) sowie Caluori, Demarmels, Gomes, Pola, Salihagic und Schwendt (alle abwesend). Freienbach ohne Ernst, Iseni und Ocaña (alle verletzt), Egger (Beruf) und Baumann (Militär). Verwarnungen: 10. Lebien (Reklamieren). 31. Joos (Foul). 44. Caravà (Foul). 49. Bucher (Reklamieren). 53. Di Dio (Reklamieren). 64. Stumpo (Reklamieren). 79. Museshabanaj (Ball wegschlagen). 81. Palumbo (Unsportlichkeit am Goalie). 89. Kavcic (Ball wegschlagen). Ausschluss: 65. Di Dio (zweite Gelbe wegen Reklamieren). Tumulte nach Spielschluss.